1.3 Das Produkt Fertighaus am Markt

Um sich einen Überblick über die Gesamtsituation zu verschaffen hilft die Genehmigungs-Optik von Fertighausbauten in der BRD.

Abb. 1-4 - Baugenehmigungen in der BRD

Abb. 1-4 - Baugenehmigungen in der BRD

Analog zur Unternehmensentwicklung bzw. der Produkteinführung auf dem Markt, durchläuft auch das Produkt Fertighaus auf dem Markt bestimmte Phasen. Abgelesen an der Abb. 1-4 kann man die Entwicklung der Fertighausindustrie in Deutschland wie folgt einteilen:

Anlaufphase 1960 - 1964

Im Zuge der wachsenden Wirtschaftslage fällt es leicht das neue Produkt "Fertighaus" auf dem Markt unterzubringen, nicht zuletzt die Knappheit von Wohnraum insgesamt beflügelt den Markt. Immer mehr Menschen wollen immer größere Wohnungen, diese Nachfrage konnte mit der konventionellen Bauweise allein nicht mehr bewältigt werden. In die Jahre von 1960 bis 1964 fallen auch die meisten Gründungen von Fertighausfirmen.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Fertighausbau mit den verschiedensten Hürden zu kämpfen. So waren beispielsweise die Banken bei der Finanzierung von Fertighäusern sehr vorsichtig, die Beleihungsfähigkeit lag 10 % bis 20 % unter der von Häusern in Massivbauweise.
Ebenso waren bislang die Bauvorschriften voll auf den Massivbau ausgelegt, es mussten neue Rahmenbedingungen geschaffen werden, um den Weg frei zu machen für Bauten aus Holz. Anfang der 60er hielt der Fertighausbau auch in der Normung Einzug, so wurde die DIN 1052 in soweit ergänzt, dass die Produktion vorgefertigter Teile in Tafelbauart geregelt wurde.

1. Rückgang 1965 - 1968

Nach einem Rückgang beim Bau von Fertighäusern im Jahr 1965 stagnierte die Zahl der Baugenehmigungen in den folgenden Jahren. Allerdings konnte sich die Fertigbauweise während der Rezession 1967 besser als der restliche Hausbau behaupten (siehe Abb. 1-5).

Abb. 1-5 - Entwicklung der Bauindustrie

Abb. 1-5 - Entwicklung der Bauindustrie

Trotz des Rückgangs der Baugenehmigungen im Jahre 1965 ist der Fertighausmarkt insgesamt nicht den Schwankungen unterworfen, wie wir sie in der gesamten Bauindustrie beobachten können.

Fertighaus-Boom 1969 -  1973

Starke Preissteigerungen sowie Kapazitätsengpässe auf dem gesamten Wohnungsmarkt führten zu einer großen Nachfrage auf dem Fertighausmarkt und hier sehr schnell zu steigenden Lieferfristen.
Diese Aufgeschlossenheit des Marktes resultierte bald in neue Ideen und Wohnvorstellungen. So wurden unter Anderem neue Bausysteme, wie das Metastadtbausystem, die Raumzellenbauweise oder gar die Entwicklung von Kunststoff-Fertighäusern. Auch der mehrgeschossige Wohnungsbau in Fertigbauweise wurde zu einem Thema.
Von der Bundesregierung wurde 1972 der Wettbewerb Elementa 72 ausgeschrieben. Er sollte die Weiterentwicklung und Verbreitung von Systemen mit vorgefertigten Elementen im Wohnungsbau fördern.

2. Rückgang 1974 -  1975

Nach dem vorläufigen Höhepunkt der Bautätigkeiten 1973 folgte ein zweiter starker Rückgang aufgrund Konjunktureller und wirtschaftspolitischer Einflussfaktoren. Dies war vor allem die Hochzinspolitik der Bundesbank, der ausgesetzten Steuerabschreibungen ("antizyklische Konjunkturdämmungsmaßnahme" aufgrund der inflationären Gesamtwirtschaft) und der ersten drastischen Ölpreiserhöhung der OPEC zurückzuführen.

Konsolidierung 1976 -  1980

Die Anzahl Baugenehmigungen steigen erneut und stagnieren auf relativ hohem Niveau. Im Vergleich zum Massivbau arbeitete der Fertighausbau, von leichten Schwankungen abgesehen, gegen den Trend des Rückgangs im Wohnungsbausektor (Abb. 1-6).

3. Rückgang 1981 -  1982

Wie im gesamten Wohnungsbau gehen auch die Baugenehmigungen im Fertighausbau drastisch nach unten. Der Anteil am der Gesamtbauleistung hält sich trotzdem noch auf hohen Niveau (Abb. 1-6). Während sich die Anzahl der Insolvenzen im Bauhauptgewerbe zwischen 1980 und 1982 verdoppeln, gibt es in der Fertighausbranche kaum bedeutende Firmenkonkurse.

Die ersten verlässlichen Zahlen liefert das Statistische Bundesamt in Wiesbaden von 1965 an, demnach betrug der Anteil der in Fertigbauweise erstellten Wohnbauten 3 Prozent am Gesamtbauvolumen in der Bundesrepublik.

Abb. 1-6 - Anteil der Fertigbauweise am Gesamtbauvolumen

Abb. 1-6 - Anteil der Fertigbauweise am Gesamtbauvolumen

 

 

 


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