3.1 Formaldehyd

Formaldehyd ist ein farbloses, wasserlösliches, stechend riechendes Gas. Als einfache organische Verbindung besteht es nur aus Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff. Formaldehyd ist Ausgangsprodukt für Kunststoffe, Kleber und andere Chemikalien, die im Hausbau Verwendung finden.
Formaldehyd wird schon bei geringer Raumluftkonzentration als störend empfunden, die Geruchsschwelle beträgt hierbei 0,05 – 0,125 ppm [für Formaldehyd hat sich die Verwendung von ppm (parts per million) auch für die Luftkonzentrationen eingebürgert: hier gilt 0,1 ppm = 0,1 ml/m³ = 0,12 mg/m³] 9, wobei eine Reizung der Sinnesorgane bereits bei 0,01 ppm einsetzen kann. Über die akute und chronische Toxizität von Formaldehyd ist man sich teilweise noch im Unklaren, Versuche in den USA haben eine gewisse Kanzerogenität [krebserzeugende Wirkung] 10 festgestellt. Unbestritten ist die irritative [Beschwerden klingen nach Beendigung der Belastung ab] 11 Reizwirkung und weitere Symptome, wie Kopfschmerzen, Unwohlsein Konzentrations-Schwierigkeiten und Nervosität, ausgelöst durch die Aufnahme von Formaldehyd vor allem über die Atemwege.
Die als Wohngift relevanten Mengen ergeben sich aus den Verleimungen von Holzwerkstoffen. Im Holz-Fertighausbau sind vor allem die Holzspanplatten zu nennen, deren Formaldehydausstoß bis 1980 nicht geregelt war.
In der Abhängigkeit zum verwendeten Leimsystem ergeben sich sehr unterschiedliche Emissionspotentiale.

Mit Harnstoff-Formaldehyd-Harz (UF) gebundenen Platten stellen den größten Teil der im Hausbau verwendeten Spanplatten dar. Dieser Leim ist der wirtschaftlichste, setzt aber auch die größte Menge an Formaldehyd frei.

Mit Phenol-Formaldehyd-Harz (PF) gebundene Spanplatten setzten weniger Formaldehyd frei, sie werden zur Herstellung feuchtebeständiger Verleimungen eingesetzt (V 100). Der Einsatz beschränkt sich auf teilweise Feuchte beanspruchte Bauteile, wie z.B. die Außenhülle von Gebäuden oder die Nassräume.

Die 1980 erlassene ETB [Einheitlich Technische Baubestimmung] 12 -Formaldehydrichtlinie zur Schadstoffminimierung in Innenräumen teilt die Spanplatten weiter in drei Emissionsklassen ein:

Emissionsklasse

Prüfkammerwert in ppm (=ml/m³)

E1

< 0,1

E2

0,1 – 1,0

E3

1,0 – 2,3

Andere Spanplatten als die der Emissionsklasse E1 haben im Hausbau heute keine Bedeutung mehr.

Da der Leim in den Platten selbst den Formaldehydpool darstellt, wird bis zum völligen Zerfall des Leimes ständig Formaldehyd ausgestoßen. Die Menge des ausgestoßenen Formaldehyds ist vor allem abhängig von der Temperatur und der vorhanden Luftfeuchtigkeit. Je wärmer und feuchter, desto mehr Ausstoß.
Trotz des von der ETB-Richtlinie festgelegten Wertes von 0,1 ppm kann es unter realen Bedingungen zu einer höheren Raumluftkonzentration kommen, da die in den Prüfkammerversuchen vorausgesetzte Raumbeladung [Werkstoffoberfläche zu Raumvolumen, hier: 1 m²/m³] 13 oft größer und die Luftwechselrate [Luftaustausch pro Zeiteinheit, hier: 1 h-1] 14 meist geringer ist.
Der Eingreifwert des Bundesgesundheitsamtes (BGA) liegt bei 0,1 ppm, hier sollte nach Meinung des BGA umgehend saniert werden. Darunter gelten Räume als gering bzw. bei einem Wert geringer als 0,01 [Quelle: Bremer Umweltinstitut, Formaldehyd in Innenräumen 1995] 15 ppm als nicht belastet.

Weitere Quellen für Formaldehydbelastungen der Raumluft ergeben sich aber auch aus dem Einsatz von UF-Isolierschäumen, großflächigen Verleimungen sowie säurehärtenden Lacken auf Einrichtungsgegenständen und Parkettversiegelungen.


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