3.2 Holzschutzmittel

Der Holzschutz ist keine Erfindung des modernen Holzbaus. Um den Baustoff Holz vielseitig und nachhaltig zu verwenden hat man schon immer versucht, ihn gegen die Vielzahl schädlicher Einflüsse wie Insekten, Pilze und Feuchtigkeit, aber auch Feuer, zu schützen.
Die älteste bekannte Methode ist die Beachtung der Fällzeit: Fällt man den Baum in der saftarmen Zeit, so kann man viele Schädigungen von vornherein ausschließen. Diese Erkenntnis entstammt einer zwischen 1500 und 400 v. Chr. erstellten Lehre aus Indien und spiegelt sich in beinahe allen Kulturen und Zeiten bis heute wider.

Das Wissen um die unterschiedliche Resistenz verschiedener Holzarten ist seit 600 v. Chr. von den assyrischen Königen überliefert.
Erste Empfehlungen, Holz zum Brückenbau in Öl zu tränken, stammen von Alexander dem Großen [Alexander der Große (356-323 v. Chr.), makedonischer König (336-323 v. Chr.), Feldherr und Eroberer] 16 ca. 330 v. Chr.
Seit 100 v. Chr. ist von den Chinesen bekannt, dass sie Holz vor dem Verbauen zum Schutz lange in Salzwasser tauchten.
Julius Caesar [Caesar, Gaius Julius (100-44 v. Chr.), römischer Feldherr, Staatsmann und Schriftsteller] 17 beschrieb in seinem „De bello gallico“, was schon seit der Steinzeit und den Pfahlbauten bekannt war, das oberflächliche Ankohlen von Holz zum Schutz gegen Fäulnis.
Trotz all der Bemühungen, den Holzschutz mit verschiedenen Stoffen zu betreiben, war doch der konstruktive Holzschutz das wichtigste Mittel für die Dauerhaftigkeit von Bauten. Beinahe alle Bauordnungen de Mittelalter beschäftigen sich mit den baulichen Maßnahmen zum Schutz von Holz. So wurde z. B. bei Fachwerk eine durchgehende Schwelle gefordert, ebenso sollte an der äußeren Wetterseite des Hauses Eiche, Lärche oder ähnlich resistente Holzer verwendet werden. Ein „drei Schuh“ hoher Sockel unter der Grundschwelle wurde ebenso gefordert wie das Abschrägen von Holzüberständen.
Bis zum massiven Einsatz von chemischen Holzschutzmitteln hatten diese Jahrhunderte lang entwickelten Vorgaben ihre Gültigkeit.

Die Geschichte des chemischen Holzschutzes ist wesentlich jünger. Von Leonardo Da Vinci wird berichtet, er habe um 1500 seine hölzernen Bilder, Rahmen und Kunstwerke mit Quecksilberchlorid (Sublimat) und Arsenverbindungen gegen tierische Schädlinge zu schützen versucht.
Sublimat, Arsen und Teer bzw. Teeröle waren für einige Zeit die gängigen Holzschutzmittel. Außerdem wurde mit Stoffen wie Alkohol, Alaun und ungelöschtem Kalk experimentiert.
Im Jahr 1808 wurde erstmals der Handel und Umgang mit Bekämpfungsmitteln eingeschränkt, nur noch Gewerbliche waren unter Beachtung von strengen Regeln in der Lage, Mittel wie Arsen und Sublimat zu verarbeiten.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es erstmals wissenschaftliche Versuche zur Erforschung Holzschutzfördernder Mittel. In Frankreich wurde in der Zeit das Kesseldruckverfahren zum Einbringen der Holzschutzmittel erprobt.
Lange Zeit waren Steinkohleteer- und Zinkchlorid-Produkte die gängigen Mittel für den Holzschutz. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Fluorsalze eingeführt und in den 20 Jahren schließlich gelang der Chlorchemie mit dem Mittel Chlornaphtaline (Xylamon) der Durchbruch. Die Wirkstoffe dieser neuen chemischen Holzschutzmittel aus den 40er Jahren waren z.B. DDT und Lindan, in den 50er Jahren kam das Pentachlorphenol (PCP) hinzu.
Seit 1944 besteht in Deutschland eine Prüfpflicht für Holzschutzmittel, alle im Zuge der DIN 68800 aufgebrachten Mittel müssen vom DIBt (früher Ifbt) eine Zulassung erhalten haben.

Alle chemischen Holzschutzmittel haben das Abtöten von Leben als Gemeinsamkeit, seien es lästige Insekten, Bakterien oder Pilze. Bedingt durch die biologische Ähnlichkeit solcher Lebewesen und Säugetieren haben solche Produkte auch Auswirkungen auf den Menschen. Bereits bei der Einführung von PCP war das Chlornaphtalin wieder vom Markt verschwunden, da eine eindeutige Schädigung des menschlichen Organismus nachgewiesen werden konnte.
Die Wirkstoffe in Holzschutzmittel und deren toxikologische Bedenklichkeit machen sich meist nicht an einem einzelnen Stoff fest, vielmehr ist die Überlagerung und das Zusammenwirkung mehrerer Mittel bedenklich. Die Symptome einer Holzschutzmittelvergiftung sind, ähnlich der Wirkweise von Formaldehyd, nicht auf jeden Menschen übertragbar, auch reagiert nicht jeder gleich sensibel auf die Belastung der Raumluft. Unbestritten aber ist das toxikologische Potential der einzelnen Produkte.
Nachfolgend sind die wichtigsten fungiziden und insektiziden Inhaltsstoffe von Holzschutzmitteln aufgeführt.


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