4.3 Variante 02 ­ Außenseitig

Es wird hier eine Modernisierung angestrebt, welche die gleichzeitige Nutzung des Gebäudes als Wohngebäude nur geringfügig beeinträchtigt.
Eine Bearbeitung der Bauteile, wie Wände, von Innen ist folglich nur eingeschränkt möglich. Die Sanierung der inneren Bauteile ist hier so gewählt, dass diese Raumweise geschehen kann. Allerdings sollte auf eine strikte Trennung der bereits sanierten und noch zu sanierenden Bereiche geachtet werden, um eine erneute Kontamination auszuschließen. Einhergehend mit den baulichen Maßnahmen sollten alle Innenräume auf dort befindliche potenzielle Sekundärquellen hin untersucht werden. Dieses sind im Besonderen Teppiche, Vorhänge und Möbel. All diese Gegenstände sollten gereinigt werden, bzw. feucht abgewischt. Da vor allem Hausstaub als ausdrückliche kontaminiert gilt, trägt eine komplette und gründliche Reinigung des gesamten Gebäudes wesentlich zur Minderung der Schadstoffbelastung bei.

Es wird festgelegt, dass die Fassadenstruktur erhalten bleiben soll, d.h. als Fassade wird eine hinterlüftete Faserzementplatte (hier: Eternit ISOCOLOR Sanierungstafel) gewählt. Diese Platte greift die Fugenarchitektur der Holz-Fertig-Häuser auf und ist in der Rasterbreite von 1.25 m erhältlich. Die Fugen werden mit einem Dichtband hinterlegt. Für die Giebelfassade kommt eine ebenfalls hinterlüftete Holzverschalung zum Einsatz, so das die Hausansicht im Ganzen unverändert erscheint.

Ziel ist es, die Schadstoffbelastung des Innenraumes weitgehend zu reduzieren bei gleichzeitiger energetischer Modernisierung der umfassenden Bauteile.
Da hier die vollständige Entfernung aller belasteten und belastenden Materialien nicht möglich ist, muss vor allem ein weiteres Austreten von Schadstoffen aus den Bauteilen selbst verhindert werden.

Im Falle der mit Holzschutzmittel behandelten Außenwand bestehen hier die größten Chancen, die Belastung zu senken. Durch das außenseitige Öffnen der Außenwand wird es möglich, die Materialien soweit zu entfernen, dass nur Rippen und innere Beplankung verbleiben.
Die über viele Jahre hinweg ausgetretenen Schadstoffe, sei es Lindan, PCP oder deren Zerfallsprodukte lagern sich vorwiegend über die Ad-/Absorption an großflächigen Materialien an. In diesem Falle dürften die im Bauteil Wand eingebrachten Dämmstoffe massiv kontaminiert sein. Diese sind demnach als hoch belastete Sekundärquelle zu beurteilen. Von dieser Quelle verbreiten sich die Schadstoffe durch einen Austausch der Gase in der Raumluft. Begünstigt wird dies durch eine Vielzahl an Leckagen der inneren Beplankung, wie z.B. Steckdosen.
Ein Entfernen dieser Dämmstoffe reduziert die Anzahl der zu Verfügung stehenden Emissionsquellen erheblich.
Die zurückbleibenden Rippen, da tragende Bauteile, sind als Primärquelle zu betrachten. Um eine erneute Kontamination neu eingebrachter Dämmstoffe zu verhindern, werden diese mit einem Absperranstrich versehen. Hierfür geeignete Anstriche sind in der PCP-Richtlinie beschrieben.

Der hier gewählte Anstrich "EX" der Firma Baden Chemie GmbH ist ein Formaldehyd-Fixierer, der zusätzlich die meisten Holzschutzmittelinhaltstoffe inaktiviert. Ein weiteres Anstrichprodukt selbiger Firma hat die Funktion eines Decklackes.

Ebenso wird im Gefachbereich die sichtbare Fläche der Röhrenspanplatte mit dem Anstrich behandelt. Ziel ist es die, Austrittsfläche von Schadstoffen im Gefachbereich erheblich zu mindern, um eine erneute Emission in den Innenraum durch Leckagen zu verhindern.
Zusätzliche Maßnahmen sind die Abdichtung aller sichtbaren Innenraumzugänge, wie Steckdosen und Schalter mit geeigneten Klebebändern, Dichtstoffen und Folien. Dies soll den direkten Luftaustausch von Gefach und Innenraum verhindern.
Eine sinnvolle Variation zu einem Anstrich der Beplankung im Gefach ist das in Abschnitt 3.3.3 beschriebene Absorbervlies. Da dem Vlies eine längere Wirkdauer zugesagt wird ist diese Alternative sehr interessant.

Vorrangig beziehen sich die genannten Maßnahmen auf die Reduzierung von Schadstoffen aus Holzschutzmitteln, die Raumluftbelastung durch das aus den raumseitig angebrachten Holzspanplatten austretende Formaldehyd blieb bisher unberücksichtigt.
Um größtmögliche Sicherheit zu erhalten, sollen die raumseitigen Oberflächen ebenfalls mit einem Anstrich versehen werden. Da für die raumseitigen Oberflächenbeschichtungen von Wohngebäuden, in diesem Falle Tapeten oder Wandfarbe, ohnehin eine relativ kurzer Renovierungsintervall [Der Bundesgerichtshof hält folgende Fristen für angemessen: Küche und Bad alle drei Jahre, Wohn- und Schlafräume und Diele alle fünf Jahre. Unter den Begriff Schönheitsreparaturen fallen Tapezieren, Streichen und Kalken von Wänden und Decken, Streichen der Fußböden, der Außentüren, der Innentüren, der Innenseiten der Fenster sowie der Heizkörper (inklusive Heizungsrohre). Anmerkung: Betrifft Mietwohnungen, wird hier aber auf Eigenheime bezogen.] 13 für Schönheitsreparaturen zugrunde gelegt wird, kann eine Schadstoff-Absperrende Beschichtung im Zuge dessen aufgebracht werden.
Hier kann ebenfalls das Produkt "EX" von Baden Chemie GmbH, welches sowohl Schadstoffe aus Holzschutzmitteln umwandelt als auch die Formaldehydemission unterbindet, verwendet werden.


1. Allgemeine Beschreibung des Fertighausbaus der Jahre 1950 bis 1980
2. Sanierungs- und Modernisierungsziele, bautechnische Anforderungen der Gegenwart
3. Sanierungsmethoden
4. Sanierung am Fallbeispiel
5. Schlussbetrachtung
6. Berechnungsanhang
7. Quellenangabe und Abbildungsnachweise